Kinder fragen. Leutekirche antwortet.

Hier sammeln wir die Kinderfragen aus unserer Leutekirche.  

 

Zaubert der Pfarrer am Altar? Oder: Was passiert mit Brot und Wein?

Psst. Das ist ein Geheimnis. Das sagen Eltern oft, wenn sie etwas nicht erklären können oder wollen. Bei dieser Kinderfrage ist das anders. Es ist ein Geheimnis, was bei der Messe am Altar passiert. Und es ist ganz schön schwer, darüber zu schreiben. Es gibt schlaue Frauen und Männer, die ganze Bücher darüber geschrieben haben. Die kann man alle lesen, aber letztlich bleibt am Schluss, was es am Anfang schon war: Es ist ein Geheimnis. Der Pfarrer spricht davon in den Gebeten: Jesus kommt im Brot uns Menschen ganz nah, er ist da. Unsichtbar, nicht greifbar. Das Brot bleibt Brot und doch ist es nach der Wandlung was anderes. Gott ist darin bei uns.

Verwirrt Dich das? Mich schon. Wie soll das denn funktionieren? Ich möchte Dir von dem Lied erzählen, dass dieses Jahr an der Erstkommunion gesungen wird. Das Lied heißt „Wir decken den Tisch, wir richten das Mahl“. Was wir am Altar feiern, ist ein Abendessen, ein Gastmahl. Der Altar ist der Tisch dafür. Alles ist ganz feierlich, mit schönen Gewändern und goldenen Gefäßen. Es erinnert an das Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern gefeiert hat, kurz bevor er gestorben ist. Damals hat er das Brot unter sie aufgeteilt und Wein herumgereicht. „Tut dies zu meinem Gedächtnis“, hat er gesagt. Daran haben sich die Jünger nach seinem Tod erinnert. Sie haben dieses besondere Mahl gefeiert und gespürt, dass Jesus bei ihnen ist. Das gilt bis heute. Jedes Mal, wenn der Altar gedeckt wird, denken wir daran. Die ersten Christen haben sich an das gemeinsame Mahl mit Jesus erinnert, als sie seine Auferstehung gefeiert haben. Im Lied heißt diese Strophe: „Wir bringen das Licht, das ein Zeichen uns ist, dass er auferstand, unser Herr Jesus Christ.“ Jesus war stärker als der Tod, er lebt. Nicht so, dass wir ihn sehen können. Aber er ist bei uns. Das ist eben das Geheimnisvolle. Er ist da, zum Beispiel im Brot „will der Herr bei uns sein“. So enden gleich drei Strophen des Liedes.

Das Fest und das Mahl, das deshalb gefeiert wird, ist ein Dankfest. Danke dafür, dass Gott Jesus und uns ein neues Leben schenken will. Deshalb heißt diese Feier Eucharistie, das ist griechisch und bedeutet Danksagung. Ist das ein Zauberkunststück, dass Jesus im Brot bei uns ist? Nein. Beim Zaubern gibt es einen Trick, mit dem uns jemand reinlegt. Bei der Mahlfeier in der Kirche gibt es ein großes Geheimnis, in das Jesus uns Schritt für Schritt einführt.

Das Geheimnis ist noch viel größer als die anderen Wunder, die wir erleben und nicht erklären können. Dass sich zum Beispiel zwei Menschen lieben. Warum gerade diese zwei? Oder dass Du auf dieser Welt bist und was Du alles kannst. Viele kleine Wunder. Auf dieser Welt können wir ihn nicht anschauen wie die anderen Menschen. Im verwandelten Brot sehen wir ihn mit anderen Augen. Deshalb sind wir ganz leise, wir machen eine Kniebeuge, wir beten. Vielleicht: Herr, lass mich werden, was ich empfange. Das würde heißen: Wenn ich den Leib Christi in mich aufnehme, will ich immer mehr Leib Christi werden. O je, da wird es immer geheimnisvoller. Wir können es nicht erklären. Und dennoch verändert es Menschen. Die, die das verwandelte Brot essen, bekommen nämlich einen Auftrag. Wie Jesus sollen sie sich für die Liebe einsetzen, damit Lüge und Hass und Gewalt nicht gewinnen können. Jesus werden – das ist das tiefste Geheimnis unseres Glaubens. Keine Angst: Mehr kommt dann nicht mehr!

Pastoralreferent Benjamin Sigg