Auch 2018 ziehen Kinder von Haus zu Haus - Aktion will Kinderarbeit in Indien bekämpfen

Von Sabine Centner  17. November 2017

Leutkirch - Allen Befürchtungen zum Trotz: Auch 2018 wird es in Leutkirch wieder eine Sternsingeraktion in der gewohnten Form geben. Ein neues Leitungsteam, angeführt von Michael Pfeffer, steckt bereits mitten in den Vorbereitungen. Die einzelnen Teams für die verschiedenen Aufgaben stehen, jetzt geht es an die Feinabstimmung. Kinder ab acht Jahren, die vom 2. bis 6. Januar als Sternsinger unterwegs sein wollen, sollten sich bis Montag, 27. November, anmelden.
"Kommen die Sternsinger zu Beginn des neuen Jahres? Wir wissen es nicht. Leider! Für die kommende Aktion gibt es niemanden, der die Koordination alleine oder im Team übernimmt", so war noch Ende Oktober im Kirchenblatt von St. Martin zu lesen. Betroffenheit machte sich breit, denn ein dickes Fragezeichen stand über dem Fortbestand einer Aktion, die in Leutkirch und den Ortschaften seit Jahrzehnten Tradition hat und regelmäßig zu eindrucksvollen Spendenergebnissen führte.
Der Text war offenbar ein Weckruf - viele fühlten sich angesprochen, im Sternsingerteam mitzumachen, und mit Michael Pfeffer hat sich ein "Wiederholungstäter" für die Leitung gefunden: Der Physikprofessor an der Hochschule Ravensburg-Weingarten war nicht nur selbst Sternsinger in Leutkirch, sondern begleitete später auch die Gruppen seiner Töchter. Die Motivation für das neue Ehrenamt beschreibt er so: "Ich möchte nicht nur die Asche, sondern das Feuer weitertragen" - ein Feuer, das im gesamten Leitungsteam zu brennen scheint.
"Wir haben uns verstärkt und verjüngt", sagt Carolin Hierlemann, die schon in den vergangenen Jahren die Aktionen mitkoordiniert hat. Mit festen Zuständigkeiten soll die Arbeit jetzt auf mehrere Schultern verteilt werden: "Das bisherige Team hätte die Aktion nicht mehr stemmen können", ist sich die Gruppe sicher. Denn: Der Zeitaufwand ist groß, der Einsatz geht über Monate, Stabilität und Kontinuität sind wichtig. Bereits Anfang Dezember beginnen die Proben für die Sternsingerlieder, die Kleider müssen gerichtet werden, genauso wie die Rauchfässer und das sonstige Zubehör von Königen und Sternträgern. Einzelne Teams kümmern sich um die Kleiderproben, das Schminken der Kinder, um die Küche und die Kassen. Laufpläne müssen aufgrund neuer Wohngebiete aktualisiert, Fahrdienste organisiert und die Gruppen für die fünf Tage eingeteilt werden.
Sternsinger ziehen nicht auf Anfrage von Haus zu Haus
25 Gruppen sollten es wieder werden, hofft Carolin Hierlemann, wozu mindestens 100 Kinder nötig wären. Eine neue Homepage soll zudem aktuelle Informationen bereithalten. All dies stellt sicher, was dem Team besonders wichtig ist: Die Sternsinger werden auch dieses Mal wieder von Haus zu Haus ziehen, "flächendeckend und nicht auf Anfrage", wie Carolin Hierlemann sagt. Denn hätte man sie nur auf Anfrage "bestellen" können, wären womöglich gerade jene Leutkircher "durchs Raster gefallen", denen der Besuch der Sternsinger besonders am Herzen liegt.
Michael Pfeffer freilich liegt noch etwas am Herzen: Die Aktion 2018 hat den Kampf gegen ausbeuterische Kinderarbeit, vor allem in Indien, zum Ziel. "Das passt für mich zu 100 Prozent", sagt der 51-Jährige, der nach mehreren Indien-Aufenthalten einen besonderen Bezug zu diesem Land hat. Von einem ganz speziellen Bezug zu den Sternsingern wiederum berichtet Klaus Schmid, zusammen mit Ehefrau Lucia neu im etwa 15-köpfigen Leitungsteam: Er war 1969 bei der ersten Sternsingeraktion in Leutkirch dabei und erinnert sich noch ganz genau: "4000 Mark haben wir damals gesammelt - mit drei Gruppen."
Heute sind es Jahr für Jahr um die 50 000 Euro, die die Leutkircher Sternsinger für notleidende Kinder in aller Welt sammeln. Auf den Weg machen sie sich in ihren Ferien, bei jedem Wetter - auch 2018 wieder.