Das Mutmacher-Projekt

Kirche verändert sich. Menschen verändern sich. Jugendarbeit verändert sich.
Deshalb beginnen wir 2019 mit dem Mutmacher-Projekt. Wir wollen dort sein, wo junge Menschen sind und innovative Ideen für unsere Jugendarbeit entwickeln.

Die Gesichter

Im Blick hat das Projekt junge Menschen in Leutkirch. Jugendliche aus Firmung und Jugendarbeit, Jugendliche aus unseren Jugendgruppen, Jugendliche, die in den offenen Treff Chillix kommen, Jugendliche, die neugierig sind und sich engagieren wollen, Jugendliche, die Räume suchen zum Zusammen-Sein und Gemeinschaft. Wir machen Angebote für junge Menschen, die ihr Leben und unsere Kirche mitgestalten möchten.

Viele Menschen sind in Leutkirch Mutmacher für junge Menschen. Sie begleiten Jugendliche ein Stück weit, hören zu und reden mit. Sie geben Impulse und vertrauen darauf, dass Jugendliche ihr Leben und ihre selbst mitgestalten können.

Geleitet wird das Mutmacher-Projekt von Pastoralreferent Benjamin Sigg und dem Jugendreferenten der Kirchengemeinde Dennis Hemer.

Unterstützt wird das Projekt von der Kirchengemeinde St. Martin und von der Bischof-Moser-Stiftung. Besonders Rolf Seeger begleitet das Projekt mit und gibt wertvolle Impulse.

Begleitet wird das Projekt vom Projektteam (Jugendausschuss) der Kirchengemeinde. Gabi Gölser, Marlene Herz, Christoph Janz, Thomas Maier, Gerlinde Mast, Benjamin Sigg.

Die Projektidee

„Was ihr [Jugendliche in einer Jugend- oder Ministrantengruppe] tut, ist in meinen Augen keine Sache am Rande, sondern ganz wesentlich für den Aufbau einer lebendigen Kirche.“ (Georg Moser, aus dem Brief an die jungen Christen zum Welttag der geistlichen Berufe 1979)

Projektidee:

Kirchliche Jugendarbeit ist für die katholische Kirchengemeinde St. Martin ein wichtiger kirchlicher Ort. Ziel des Projektes ist es, die Begleitung in der Jugendarbeit zu stärken. Wir möchten junge Menschen im Licht christlicher Werte begleiten und dazu beitragen, dass ihr Leben gelingen kann. Dabei sind für uns drei Gesichtspunkte grundlegend:

  1. Jugendliche werden in einer prägenden Lebensphase angenommen. Sie werden wahrgenommen mit dem, was sie bewegt, mit ihren Nöten und mit ihrer Lebensfreude. Sie können ausprobieren und Grenzen austesten. Sie erfahren Vertrauen und entwickeln Zutrauen in ihre Fähigkeiten.
  2. Jugendliche erfahren Gemeinschaft. Das ist eine Grundlage gelingenden Lebens. Sie werden begleitet und begleiten Kinder und Jugendliche auf der Grundlage christlicher Werte. Die Gemeinschaft, die sie in der kirchlichen Jugendarbeit erfahren, ist ein kirchlicher Ort und prägt ihre Haltung zu Kirche.
  3. In der Jugendarbeit lernen wir voneinander, aneinander und miteinander. Begleiter in der Jugendarbeit sind auch Vorbilder. Sie nehmen die Fragen und Themen der Jugendlichen ernst und möchten mit ihnen nach Antworten suchen, auch im religiösen Bereich.

Aus dieser Motivation schaffen wir eine Jugendreferenten-Stelle als „Mutmacher“ für Jugendliche in Leutkirch. Wir sind davon überzeugt, dass dieses Projekt in viele kirchliche Orte wirkt: hinein in die Kirchengemeinde, in deren Jugendgruppen und in den offenen Jugendtreff „Chillix“, hinein in die Schulen, hinein in die Familien und in die Stadt.

Wichtiger Kooperationspartner dafür ist das BDKJ-Jugendreferat Leutkirch.

Die Ziele

Durch das Mutmacher-Projekt gibt es...

… „Mutmacher“ für junge Menschen. Sie befähigen junge Menschen, ihren Platz in Gesellschaft und Kirche zu finden.

… Ansprechpartner und Unterstützer für die Jugendgruppen in St. Martin. Sie sind „da“, also an den Orten, wo sich Jugendliche treffen (im kirchlichen Jugendhaus oder in der Schule) und dadurch „nah dran“ an den Themen junger Menschen.

… ein „offenes Ohr“ für Jugendliche und Projekte, die den engen Austausch zwischen Jugendlichen und Begleitern fördern.

… „Brückenbauer“. Sie begleiten den offenen Treff „Chillix“ und eröffnen so jungen Menschen Berührungspunkte mit Kirche, die sie sonst oft kaum haben.

... Wirkungen über die Stadtgemeinde hinaus in die ländlichen Gemeinden und ihre Jugendarbeit. Deren Jugendliche besuchen Leutkircher Schulen und partizipieren am Projekt „Mutmacher“.

… in den Lebensräumen junger Menschen und an verschiedenen kirchlichen Orten neue Angebote (mit den Jugendlichen aus Jugendgruppen und Firmvorbereitung, im offenen Treff „Chillix“ der Kirchengemeinde, in der Schule). Wir fragen: Was bewegt junge Menschen? Welche Fragen haben sie? Was suchen sie in der kirchlichen Jugendarbeit und wie können sie es finden?

 

 

Davon gehen wir aus...

Die katholische Kirchengemeinde St. Martin hat in der Begleitung von jungen Menschen einen Kernauftrag. Die Vielfalt in den Jugendgruppen (Ministranten, KjG und Chöre) sowie im offenen Treff „Chillix“ möchten wir gut begleiten, personell und räumlich. Wir merken, wie wichtig konkrete Beziehungsangebote sind, spüren aber gleichzeitig, dass wir an unsere Grenzen kommen. Im Prozess „Kirche am Ort“ wurde der Bereich „Jugendpastoral“ vom Kirchengemeinderat als ein Schwerpunkt benannt. „Die Vielfalt begleiten und gestalten“ war entsprechend der Auftrag. In enger Abstimmung mit den zuständigen Stellen möchten wir uns deshalb auf den Weg machen, um die Jugendlichen in unserer Jugendarbeit und an verschiedenen Orten (Jugendhaus, Schule) nachhaltig und gut zu begleiten. In das Projekt sind verschiedene Stellen eingebunden: Jugendausschuss und Kirchengemeinderat St. Martin, Bischof-Moser-Stiftung, BDKJ Jugendreferat/Dekanat, Bischöfliches Jugendamt, Bischöfliches Ordinariat.   

Unter Jugendpastoral verstehen wir:

  • wahrnehmen, was bei jungen Menschen wichtig ist.
  • die „Zeichen der Zeit“ mit der Botschaft Jesu deuten und zu leben versuchen. Jugendliche helfen uns dabei, die „Zeichen der Zeit“ zu erkennen.
  • junge Menschen begleiten, damit sie ihre Begabungen entfalten und lernen, die Herausforderungen ihres Lebens zu gestalten.

Der Bezugspunkt von Jugendpastoral ist die Lebenssituation junger Menschen, ihre Überzeugung ist der Glaube an Jesus Christus und ihre Aufgabe die Begleitung junger Menschen in einer prägenden Phase ihres Lebens. Deshalb versuchen wir, junge Menschen in ihrem Lebensraum wahrzunehmen (siehe 3.) und mit lebensfördernden Angeboten zu begleiten.

Jugendliche können als Teamer und Gruppenleiter besondere Erfahrungen machen, sie können Verantwortung und Selbstständigkeit lernen und Zeit mit Gleichaltrigen außerhalb der Schule verbringen. Es braucht dafür vor allem ein personales Angebot, das mehr ist als die Vorgabe eines organisatorischen Rahmens. Am Ende sollen Jugendliche sagen können: „Bei denen von der Kirche war es schön, da hat’s mir gefallen.“ (Matthias Sellmann)

Wir sehen junge Menschen mit ihren Begabungen, Möglichkeiten und Grenzen. Jugendliche sollen bei uns Räume bekommen, wo sie „zählen“ bevor sie etwas geleistet haben. Dafür braucht es Begleiter, die Mut machen. Es braucht jugendgerechte Feiern und Gottesdienste, in denen der Zuspruch Gottes spürbar wird. Außerdem braucht es Räume, in denen sich junge Menschen aufhalten können.

Das nehmen wir wahr...

Der Kirchengemeinderat St. Martin hat 2016 einen Jugendausschuss gegründet, um die Jugendarbeit begleitend in den Blick zu nehmen. Mit den Jugendgruppen gab es 2015 und 2016 ein Jugendkonzil, um mit dem KGR ins Gespräch zu kommen. Jährlich gibt es einen Schulungsabend für alle Gruppenleiter, 2017 zum Thema „Kindeswohl“, 2018 zum Thema „Begleitung in der Jugendarbeit“. Außerdem hat sich der Jugendausschuss mit verschiedenen Gruppen getroffen. Dabei haben wir folgende Wahrnehmungen gemacht:

Wir stellen fest, …

  • dass viele Kinder und Jugendliche in unseren kirchlichen Gruppen engagiert sind (KjG, Minis, Chöre, ca. 170 Jugendliche; davon 80 LeiterInnen bei KjG und MinistrantInnen)
  • dass die Angebote in der Jugendarbeit eine große Reichweite haben:
    • Offener Treff im kath. Jugendhaus/“Chillix“ (wöchentlich am Donnerstagabend treffen sich  20-30 Jugendliche zunächst zum Cook&Chill (Kochen und gemeinsam Essen), anschließend zum Beisammensein im „Chillix“ (Jugendraum im Untergeschoss des Jugendhauses mit Tischkicker und Bar. Der Treff wird von der KjG verwaltet und begleitet, ist aber offen für alle Interessierten. An den Wochenenden ist der Treff nach Absprache geöffnet und sehr beliebt.
    • Sternsingeraktion (ca. 120 Kinder und Jugendliche)
    • Jugendfahrt nach Assisi, Rom und Taizé (jährlich, ca. 20 Jugendliche)
    • Jugendliturgien und liturgische Angebote, offene Angebote während der Firmvorbereitung (jährlich ca. 60 Jugendliche)
    • Zeltlager (jährlich 20 junge Erwachsene, 70 Kinder)
  • dass sich die Rahmenbedingungen in den letzten Jahren geändert haben (geändertes Freizeitverhalten, Alter der Jugendlichen, Nutzung der Räume, Fremde, die sich Zutritt in unser Jugendhaus verschaffen, Konflikte). Deshalb gab es im kath. Jugendhaus vor allem am Wochenende oft schwierige Situationen.
    • dass im Bereich „offener Treff“ auch an Wochenenden in Leutkirch ein großer Bedarf besteht.
    • dass wir momentan keine personellen Ressourcen haben, um im offenen Treff regelmäßige Begleitung anzubieten und gleichzeitig inhaltliche Angebote zu machen.
    • dass das derzeitige Team an seine Grenzen kommt und zu wenig Raum für inhaltliche und geistliche Begleitung bleibt.
  • dass in Leutkirch als Schulstadt die Begleitung junger Menschen in der Schule ein wichtiges Handlungsfeld ist. Kirchliche Jugendarbeit und Schule sind bereits an einigen Stellen vernetzt (Angebote der Schulpastoral, Kooperation bei Gruppenstunden der KjG mit der Grundschule, Werbung für neue Gruppenkinder).

So handeln wir...

Im Blick auf die Gegebenheiten vor Ort sehen wir vier Schwerpunkte für die Projektzeit von drei Jahren. Aus diesen Schwerpunkten sollen während der ersten Hälfte der Projektphase (nach eineinhalb Jahren) von den Jugendlichen, gemeinsam mit den für sie Verantwortlichen und im engen Kontakt mit dem BDKJ-Jugendreferat Ziele entwickelt werden.

Am Schluss der Projektphase soll eine Konzeption für die Jugendpastoral in St. Martin stehen.

Schwerpunkte

  1. Begleitung und Angebot: Die jungen Menschen werden in den Gruppen und bei Projekten wertschätzend unterstützt. Sie entwickeln Angebote mit, die mit Schule, Jugendgruppen und Gemeinde vernetzt sind.

  2. Lernen und Wachsen: Die jungen Menschen können in ihre Aufgaben hineinwachsen. In Gruppenstunden, bei Schulungen, in Projekten und im sozialen Miteinander können sie ihre Stärken und Fähigkeiten entdecken, Neues kennenlernen und ihre Begabungen weiterentwickeln. In der Übernahme von Verantwortung und im sozialen Kontext werden die jungen Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung gestärkt.

  3. Räume und Verantwortung: Die jungen Menschen können die (Frei-)Räume im Jugendhaus gestalten und verantwortlich nutzen. Der offene Treff wird weiterentwickelt.

  4. Glaube und Kirchengemeinde: Die jungen Menschen erleben Kirche und gestalten sie mit. Spirituelle Angebote und Vernetzungen mit der Kirchengemeinde St. Martin tragen dazu bei, dass junge Menschen ihre Haltung zu Glaube und Kirche entwickeln. Sie sollen die Möglichkeit haben, Glauben auf vielfältige Weise zu entdecken und zu erleben.

Kernziele

Daraus ergeben sich für die Projektphase (Überprüfung nach drei Jahren) insbesondere folgende Ziele:

  • Offener Treff und offenes Ohr: Der offene Treff „Chillix“ bekommt am Donnerstagabend und an den Wochenenden eine feste Ansprechperson. Gemeinsam mit den Jugendlichen werden Ideen entwickelt, die den offenen Treff als offenes Angebot gestalten. Die Jugendlichen setzen sich mit den Themen Öffentlichkeitsarbeit, Außenwirkung, inhaltliche Gestaltung und Projekten (Konzerte, Kooperation städtisches Jugendhaus) usw. auseinander. Dieser Treff ist ein niederschwelliges Angebot, um mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen („offenes Ohr“, siehe unten „Wirkungen des Projektes“).  

  • Mutmacher an kirchlichen Orten: Die Verantwortlichen der Jugendarbeit entwickeln Angebote, um regelmäßig im Jugendhaus und an anderen Orten in der Stadt (v.a. Schule) ansprechbar zu sein.

  • Ausbildung und Schulungen: Die Verantwortlichen entwickeln ein Konzept, um Gruppenleiter und Zela-Teamer regelmäßig zu schulen. Dazu gehört auch die Entwicklung eines Schutzkonzeptes.

  • Begleitung der Jugendgruppen: Die Verantwortlichen begleiten KjG, Minis, Zela-Teamer und Jugendchor. Ziel bei der Entwicklung von Angeboten ist es, die Eigenständigkeit der Gruppen zu wahren, Eigenverantwortlichkeit zu fördern und die Jugendgruppen zu vernetzen. Als Anknüpfungspunkte bieten sich die etablierten Termine der Kinder- und Jugendgruppen an: Mini- und Chöretag, Welcome-Back-Jugendgottesdienst mit Party (KjG), Erstkommunion, Firmung kompakt, Jugendband.